KOMMENTAR ZUM „KOMPROMISS“ 3+1 VON DEN FREUNDEN DER SCHINKELSCHEN BAUAKADEMIE

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Eine Wiedererrichtung der Schinkelschen Bauakademie in Berlin, in vielen Aspekten angelehnt an das Originalgebäude, aber ergänzt um eine abweichend gestaltete Südfassade (Modell 3+1) ist an verschiedenen Stellen aktuell Diskussionsthema. Wir beziehen uns konkret auf:

Themen:

  1. Gutachten des Büros Schneider + Schuhmacher,
    Vorstudie zur Wiedererrichtung der Bauakademie,
    Mai 2024
  2. Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der SPD
    im Abgeordnetenhaus Berlin zur Wiedererrichtung der Bauakademie
    vom 15. Mai 2024
  3. Pressemitteilung der Allianz baukulturell engagierter Bürgervereine
    vom 27. Mai 2024
  4. Artikel im Tagesspiegel
    „Bauakademie. Historische Rekonstruktion nicht machbar“
    vom 31. Mai 2024

Wir Freunde der Schinkelschen Bauakademie bedauern die unglückliche mediale Vorabinformation zur Vorstudie im Tagesspiegel (4), die offensichtlich auf Indiskretion beruhte. Auch die Interpretationen im Artikel sind für eine vertrauliche Abstimmung und Fortführung des Planungsprozesses zwischen Land Berlin und Bundesrepublik Deutschland als Grundstückseigentümer aus unseren Augen leider hinderlich. Der Artikel stellt Polemiken vor, statt sachliche Ankerpunkte der aktuell laufenden Kompromissfindung zwischen Land und Bund zu beschreiben und abzuwägen. Er führt zu weiterer Unsicherheit und schürt Konflikte.

Hilfreich wäre aus Sicht der FSBA (Freunde der Schinkelschen Bauakademie) nun, vom Land Berlin eine fachlich und politisch versierte Person zu entsenden und mit Entscheidungsbefugnis zu bemächtigen, die direkt zusammen mit dem Gründungsdirektor, Prof. Guido Spars plant und gemeinsam kommuniziert. Ziel muss es sein, den geplanten und notwendigen Gestaltungswettbewerb noch im Jahr 2024 auszuschrieben. Ein Duo dieser Art stünde öffentlich für Kompromiss und Tatkraft (in dem anhaltenden und unglücklichen „politischen Kräftemessen“) und könnte heilend wirken.

Gegenüber dem Stand von 2022 sehen die FSBA eine Wiedererrichtung der Schinkelschen Bauakademie grundsätzlich auf einem richtigen Weg. Zentrale Fragen, die es für alles Weitere schnell zu beantworten gilt, sind:

  • Was genau wird (am Standort im Gebäude) für die Stadtgesellschaft und Touristen im historischen Berlin geboten?
    Die FSBA zieht gern eine Analogie zur Barenboim-Said Akademie in der Nachbarschaft und postuliert „Was dort für die Musik geschaffen wurde, muss auf ähnlich hohem Niveau in der Schinkelschen Bauakademie für den Städtebau geschaffen werden. Mehr Poesie, weniger Akademie.“
  • Welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gruppen tragen in Zukunft die Institution der Schinkelschen Bauakademie?
    Die FSBA beobachtet bislang eine eher technokratische Behandlung von Bauthemen im engeren Sinn, ohne die gesellschaftlich relevantere Immobilienwirtschaft mit Problematisierung zur Finanzierung von Bestand und Neubau, dem Grundstücksrecht oder dem adäquaten Betrieb (Resilienz) von Gebäuden einzubeziehen. Wo bleiben etwa auch die alltagserprobten Alleswisser-Erklär-Helden aus den Baumärkten?

Ohne die Vorstudie zu kennen, scheinen aus Sicht der FSBA keine wirklichen Kompromisse aus dem 150 Seiten-Gutachten erwartbar zu sein. Im Gegenteil: Die oftmals zitierte behindertengerechte Konzeption oder Belichtungsfragen sind in Deutschland ohnehin bauordnungsrechtlich geregelt. Hier scheint streckenweise kleinteiliges Ingenieur-Denken ohne Gefühl für das große Ganze vorzuherrschen. Insofern ist die Idee einer modernen Südfassade („3+1-Modell“), auf die sich auch die Anträge der Fraktionen im Abgeordnetenhaus wie auch die Presseerklärung der Bürgervereine (2,3) beziehen, ein fataler Rückschritt in der Kompromissfindung. Ein Gebäude, das nicht viermal die gleiche Fassade zeigen würde, wäre am Standort eine historische und städtebauliche Ohrfeige. Dieser vermeintliche „Kompromiss“ würde vermutlich nach den Erfahrungen mit dem benachbarten Schloss auch in der Öffentlichkeit auf lange Sicht nur Hohn mit sich bringen und entsprechend nicht zum Ziel führen.

Notwendig ist in den kommenden Wochen eine transparente, vertrauensvoll abgestimmte Abstimmung und Beschlussfassung zu:

  1. Soll die Bauakademie tatsächlich ein konventionelles Bürogebäude für die Bundesstiftung werden mit angeschlossenen Multifunktions-Räumen? Oder muss für den Gestaltungswettbewerb eine offenere und flexiblere Raumfolge im Inneren des Gebäudes gefordert werden?
  2. Welche baulichen Abweichungen gegenüber dem Originalgebäude, wie es sich vor dem 1. Weltkrieg präsentierte, sind bei der Wiedererrichtung zu berücksichtigen? Wo sind noch Lücken in der vorbereiteten Gestaltungsverordnung des Landes Berlin?

Für diese in der Öffentlichkeit verständlichen und nachvollziehbaren nächsten Schritte empfehlen sich die Freunde der Schinkelschen Bauakademie mit ihren immobilienwirtschaftlichen Wurzeln als Begleitinstitution. Die Diskussion muss wieder mehr auf das, was sein könnte, gelenkt werden. Nicht auf das, was nicht sein darf.

Die Hoffnung auf die städtebauliche Poesie und nachhaltige Überzeugungskraft im Schinkelschen Originalentwurf dürfen am Ende nicht falschen Kompromissen und ermüdeter Haarspalterei im Prozess zur Wiedererrichtung geopfert werden.

Mit zum Teil ähnlicher Bewertung argumentieren die Errichtungsstiftung Bauakademie und baukulturell engagierte Bürgervereine hier https://www.errichtungsstiftung-bauakademie.de/presseveroeffentlichungen.html

Kontakt:
Andreas Schulten
Schlüterstraße 54, 10629 Berlin
schulten@freunde-bauakademie.com
+49 172 323 6469